EXIT oder GREXIT – Griechenland und der € alles nicht so einfach

Was verbirgt sich hinter dem Begriff GREXIT – es ist die Bezeichnung für ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone.

Was für eine spannende Zeit. Gehen wir zurück in die Mitte der 1990er Jahre, als der Euro entstand. Mit dem Euro ging man damals davon aus, dass durch Länder, die eine sogenannte harte Währung haben (Bsp. Deutschland, Niederlande), sich die interne Finanzpolitik dieser Länder auf andere Länder vererben lässt. Das Kernziel war durch eine gemeinsame Währungspolitik für die Mitglieder Stabilität und Entwicklung zu gewährleisten. In Konsequenz die Schwachen an die Starken heranzuführen, bzw. hieraus insgesamt stärker zu werden in einer sich globalisierenden Welt.

Ein großer Fehler begann von Anfang an. Den Starken hat man nicht erklärt, dass sie aufgrund der Aufnahme von schwächeren Ländern, durch die Nivellierung, vielleicht auch schwächer werden, so dass alle insgesamt auf demselben Niveau ankommen.

Dies alles setzte voraus, dass man sich in den jeweiligen Ländern auf gemeinsame Finanz- und Haushaltsstandards einigen sollte. Was auch in der Theorie geschah. Doch jede Regierung eines Landes ist am Ende dem eigenen Volke mehr verpflichtet als der Gemeinschaft. Dies wird immer deutlich, wenn es um Wahlkämpfe geht.

Nun wir wollen die Vergangenheit ruhen lassen, denn wie sagt man so schön „Wir sind der Zukunft zugewandt“.

Die EU als Wirtschafts- und Sozialgemeinschaft mit Ihren Mitgliedsländern muss erhalten bleiben. Ob allerdings die Teilnehmer an der Währungsunion (EURO-Zone) weiterhin insgesamt beibehalten werden sollten, ist volkswirtschaftlich in Gänze nichtmehr nachzuvollziehen. Und es stellt sich hierbei die Frage, ob es für die einzelnen Volkswirtschaften sinnvoll ist.

Beispielhaft kann man an Griechenland festmachen, dass Ende 2014 die Staatsschulden sich auf ca. 318 MRD € beliefen. Kurz nach dem Eintritt in die Währungsunion (2004) lag diese noch bei 181 MRD €. (Quelle: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/167459/umfrage/staatsverschuldung-von-griechenland/ ) Innerhalb dieses Jahrzehnts ist somit die Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP (Bruttoinlandsprodukt = gibt den Gesamtwert aller Güter, d. h. Waren und Dienstleistungen, an, die innerhalb eines Jahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft hergestellt wurden nach Abzug aller Vorleistungen.) um 90% gestiegen.

Wenn wir nun gesamthaft über 18 €uro Länder nachdenken, wird ein Ausstieg Griechenlands aus dem €uro, den €uro Raum als Volkswirtschaften nichtmehr in Gänze danieder raffen. Die € Zone hat bspw. 2013 ein BIP von 9,6 Billionen €.

Wussten Sie, dass innerhalb der € Zone Estland mit 10% und Bulgarien mit knapp 19% bezogen auf ihre staatliche Gesamtverschuldung am besten dastehen? Die Schuldenquote von Deutschland beträgt knapp 73%. Anmerkung hierzu: im € Vertrag steht eine maximale Schuldenquote von 60%.

Nachdenken über das, was die neue griechische Regierung möchte

Es steht die Forderung nach einer Umschuldung/ einen Schuldenschnitt. Gehen wir von einem Unternehmen aus, dem die Insolvenz droht, aber das gute Produkte hat. Dann macht so ein Vorgehen Sinn, denn es kann durch einen Gläubigerverzicht (= Schulden streichen) wieder in den Arbeitsmodus gelangen.

Konsequenz bei einer Umschuldung/Gläubigerverzicht ist, dass die Gläubiger andere € Zonen-Länder/Staaten, oder aber auch Banken/Versicherungen (d.h. auch der deutsche Steuerzahler), auf etwas verzichten muss (GELD); außer unsere Regierung verfolgt dann weiterhin Maßnahmen auf Pump. Ist sie ehrlich, bedeutet es aber Einschnitte für unseren Staat. Für unsere Banken/Versicherungen bedeutet es, dass Sie an Ihre Garantiezinsen bei bspw. Lebensversicherungen herangehen und diese senken werden.

Aber was bedeutet es für die Griechen im eigenen Land?

Eine Umschuldung und der Austritt aus der € Zone hätte folgende Konsequenzen.

  • Ein Rest der ca. 318 Mrd an € Schulden bliebe bestehen, in €
  • Es wird eine eigene Währung wieder eingeführt, die sich am Kapitalmarkt gegenübersteht, und somit nichtmehr in einer Solidaritätsgemeinschaft der € Zone enthalten wäre. Konsequenz deutlich höhere Zinsen zur Beschaffung von Kapital
  • Reformen im Staatswesen müssen trotzdem durchgeführt werden, die Staatsquote insgesamt gesenkt werden. Bevorteilungen von Mitarbeitern und Beamten im öffentlichen Dienst verringert werden.
  • Urlauber bezahlen in Griechenland dann wieder in Drachmen. Aber vor allem auch der griechische Renter-/Rentnerin erhält dann u.a. seine Leistung wieder in Drachmen.
  • Für die lokale Versorgung mit Lebensmitteln (Produkten des täglichen Bedarfs) könnte dieser Weg sogar einen Vorteil darstellen.
  • Es könnte bei entsprechender Steuerung sogar dazu führen, dass sich auch Industrieunternehmen aufgrund des Lohngefälles in Griechenland ansiedeln (gleichzeitig aber dadurch aus der Rest EU, € Zone abwandern)

ABER: Griechenland muss unabhängig von einem Verbleib in der € Zone oder einem Austritt anstehende Reformen in ihrem Land durchführen. Bsp. Steuern eintreiben.

Insgesamt ist das Thema eine gesamtheitliche Verantwortung für alle Europäer, innerhalb der EU bzw. der € Zone. Aber auch und vor allem für unseren Staat selbst. Wenn wir selbst in unserem Land nicht bereit sind, Reformen voranzutreiben wie sollen wir dies von anderen Staaten erwarten. Insgesamt muss auch bei uns die Staatsquote im Haushalt zurückgefahren werden. Derzeit wird dies nur dadurch überdeckt, das wir hohe Steuereinnahmen haben, die aber daran geschuldet sind, das sich unsere Unternehmen und ihre Mitarbeiter zu sehr guten Leistungen am Weltmarkt und im Wettbewerb stellen.

Wie man hieran sieht, gibt es keine einfache Lösung, es muss eine versachlichte und offene Diskussion hierzu in der Politik betrieben werden.

Weitere Informationen zum Thema:

Quelle: FDP

http://www.fdp.de/content/lindner-bundestag-stellt-griechenland-freifahrtschein-bis-ende-juni-aus

Quelle Zeitung Junge Freiheit

http://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2015/grexit-fuer-fdp-politiker-lambsdorff-kein-tabu/

P.S. zur Erinnerung am 30.10.2010 war Deutschland u.a. schuldenfrei bezüglich der Reparationszahlungen aus dem Versailler Vertrag (1.Weltkrieg) = 92 Jahre nach Kriegsende.

Nächster FDP Stammtisch in Beilstein am 16.03.2015 um 20.00 Uhr

Es grüßt

Wolfgang Behr

Vorsitzender FDP Stadtverband Beilstein